Substitutionsambulanz
Allgemeine Informationen

In einem Modellprojekt für Rheinland-Pfalz übernahm die Abteilung Gesundheitswesen ab März 2001 mit der Eröffnung einer Substitutionsambulanz für schwerst Drogenabhängige ein neues Aufgabenfeld. Die Abteilung  Gesundheitswesen liefert mit diesem Angebot neben der Beteiligung an der bereits bestehenden Obdachlosenhilfe einen weiteren praktischen Beitrag zur gesundheitlichen Versorgung der Kreisbevölkerung, indem sie  auf sonst schwer zugängliche Gruppen unserer Gesellschaft zugeht.

Substitution bedeutet die Versorgung von Drogenabhängigen, hier Heroinabhängigen, mit Ersatzstoffen. Das bekannteste Medikament ist das Methadon. Im Gegensatz zu den Rauschdrogen, die in der Regel gespritzt werden, werden die Ersatzmedikamente unter ärztlicher Aufsicht als Flüssigkeit getrunken oder als Tablette eingenommen. Ärzte, die diese Art der Behandlung durchführen, müssen eine spezielle Fortbildung absolvieren.

Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinhessen sprach Ende Februar 2001 der Abteilung  Gesundheitswesen eine Institutsermächtigung aus, die das Abrechnen der Behandlung mit den Krankenkassen ermöglicht.

Die Behandlung von Heroinabhängigen mit Substitutionsmedikamenten ist vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen als Möglichkeit zur Behandlung dieser Suchtkrankheit i. S. des § 27 SGBV anerkannt. Die Substitutionsbehandlung unterliegt besonderen rechtlichen Vorgaben nach dem Betäubungsmittelgesetz und der Aufsicht durch ein Kontrollorgan in Form der Methadonkommission der Kassenärztlichen Vereinigung. Diese Kommission überwacht in regelmäßigen Abständen die Behandlungsverläufe, berät die behandelnden Ärzte und kann bei Notwendigkeit auch Auflagen oder eine Beendigung der Behandlung veranlassen. Die teilnehmenden Ärzte nehmen regelmäßig an Suchtmedizinischen  Fortbildungen und Problemlösungen teil.

Ein Pflichtbestandteil der Behandlung der Patienten ist die Teilnahme an weiterführenden Behandlungsmaßnahmen der psychosozialen Betreuung, die die jeweilig zuständigen Stellen der Stadt und des Landkreises anbieten.

Die Behandlung der Drogenabhängigen mit Drogenersatzstoffen soll deren Überleben sichern, die Gesundheit stabilisieren, riskante Konsummuster mindern, den Konsum von anderen Suchtmitteln reduzieren und schließlich zu einer Lebensbewältigung in Abstinenz führen.

Als positiv für die Öffentlichkeit sind folgende Aspekte der Substitutionsbehandlung zu nennen: Zum einen wird die Re-Sozialisierung der Patienten, beispielsweise die Möglichkeit zu arbeiten oder eine Familie zu betreuen unterstützt, da der enorm zeitaufwendige Druck zur Drogenbeschaffung entfällt. Der Konsum von Drogen, die gespritzt werden müssen, kann auf diese Weise beendet werden. Das Spritzen von Drogen geht mit einem enorm hohen Risiko der Ansteckung mit chronischen Krankheiten wie AIDS und Hepatitis einher. Patienten, die bereits erkrankt sind, sollen mit der Substitutionsbehandlung in ihrer Therapie unterstützt werden, ebenfalls unter dem Aspekt der Risikominderung. Das gleiche gilt für Schwangere. Insgesamt kommt es zu  einer besseren gesundheitlichen Versorgung und langfristig auch zu einer  Kostenverringerung. Vor allem bietet die Substitutionsbehandlung eine Möglichkeit, der Beschaffungskriminalität ein Ende zu setzen.

Die Behandlung findet im Rahmen von festen Sprechzeiten in den Räumen der Abteilung Gesundheitswesen statt, auch am Wochenende. Die Patienten müssen besondere Verhaltensmaßregeln einhalten und sich häufig und unangekündigt auf zusätzlichen Drogengebrauch untersuchen lassen, sonst droht ein Ausschluss aus der Behandlung. Da die Therapie mit Drogenersatzstoffen wie Methadon zu schwerwiegenden Nebenwirkungen vor allem bei zusätzlicher Drogeneinnahme führen kann, ist für eine erfolgreiche Substitutionsbehandlung ein großes Vertrauensverhältnis zwischen Ärzten und Patienten Voraussetzung.

Substitutionsambulanzen, die von Gesundheitsämtern geführt werden, gibt es bisher nur in wenigen Städten Deutschlands, manche davon jedoch bereits mit mehrjähriger Erfahrung, wie z. B. in Frankfurt/Main.

Die Abteilung  Gesundheitswesen in Mainz bietet mit der Substitutionsambulanz neben seinen vielfältigen Beratungsangeboten einen weiteren Schritt von der Gesundheitsüberwachung zum Gesundheitsservice.

Ansprechpartnerin

Frau Schmitt
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